StudiumOrientierungsberater Andreas Peez

Studium digital – Videositzungen besser überstehen

Noah B. aus Berlin studiert Design im dritten Semester. Aus seinem Studium ist er eigentlich gewöhnt, viel am PC zu arbeiten. Doch das aktuelle Semester wurde auch von Noahs Hochschule weitgehend ins Internet verlagert, und nun klagt Noah: „Ich arbeite eigentlich wirklich gerne am Computer, aber gefühlt sitze ich seit März rund um die Uhr in Videovorlesungen. Ich kann und will nicht mehr!“

Orientierungsberater Andreas Peez aus München erläutert: „Noahs Reaktion nennt man auch ‚Zoom Fatigue‘, also Erschöpfung durch Zoom.“ Hierbei handelt es sich um einen Videokonferenzanbieter, der in der Coronakrise richtig groß und bekannt wurde. Und Andreas Peez ergänzt: „Meine Klienten berichten mir davon, dass sie keine Lust mehr auf Online-Veranstaltungen haben und es Ihnen schon davor graut, wenn ihre Hochschule ankündigt, auch künftig mehr Lerninhalte in die digitale Welt zu verlagern.“

Warum aber sind Videokonferenzen so viel anstrengender als persönliche Treffen? Und wie lässt sich die Erschöpfung reduzieren, da wir davon ausgehen können, dass künftig digitaler Austausch zunehmen wird, und das über die Coronakrise hinaus?

Offensichtlich ist die technische Übertragung ein wesentlicher Faktor. Jeder Teilnehmer sollte nach Möglichkeit für eine möglichst stabile Internetverbindung sorgen und andere Teilnehmer dazu anhalten, sich z. B. nicht von einem öffentlichen, verlärmten Ort aus mit einem wackligen Handybild dazu zuschalten. Entsprechende Teilnehmer sollten ansonsten dazu angehalten werden, Ton und Bild auszuschalten und weitgehend passiv an der Veranstaltung teilzunehmen. Andere technisch bedingte Effekte wie das Phänomen, sich durch die zeitliche Verzögerung gegenseitig ins Wort zu fallen, sind schwerer zu kontrollieren. Psychologische Studien haben allerdings gezeigt, dass man sich mit zunehmender Videoerfahrung an derartige Störungen besser anpassen kann. Viele Videoteilnehmer stört es übrigens auch, dass sie sich beim Sprechen selbst sehen können, was in der Wirklichkeit ja nicht der Normalfall ist. In diesem Fall kann man die Webcam ausschalten, auch wenn einen die anderen Teilnehmer dann ebenfalls nicht mehr sehen können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Setting. Videokonferenzen ermöglichen uns, von daheim aus in legerer Sportkleidung mit dabei zu sein. Ein potenzieller Nachteil dabei sind aber Rollenkonfusionen. Wenn Partner und Kinder im Nachbarraum spielen und sich die Katze auf den Laptop legt, ist nicht nur die Konzentration futsch, sondern der Teilnehmer läuft auch Gefahr, sich weniger professionell zu verhalten. Je mehr Teilnehmer zugeschaltet sind, desto mehr kann sich das Phänomen potenzieren. Hier hilft es, den Rollenwechsel bewusst zu vollziehen, indem man sich z. B. so anzieht, wie man in ein reales Meeting gehen würde, und sich einen maximal ruhigen Ort für die Konferenz sucht.

Noah B. berichtet, wie es ihm gelungen ist, einzelne Aspekte an Videokonferenzen so zu ändern, dass es für alle beteiligten weniger anstrengend wurde: „Manche Dozenten haben vergessen, Pausen zu machen. Wir haben dann darauf gedrängt, spätestens nach 90 Minuten eine richtige Pause von mindestens 15 Minuten einzulegen. Und wenn Kommilitonen und ich uns für Arbeitsgruppen austauschen mussten, haben wir oft ganz bewusst einfach nur telefoniert, anstatt wieder einen Videochat anzusetzen. Das Abwechseln zwischen Video und Audio hat wirklich geholfen!“

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