BerufseinstiegJobsucheKarriereStudiumOrientierungsberater Andreas Peez

Überschuss oder Mangel? – Über die Berufsaussichten angehender Lehrer

Christoph W., Abiturient aus Magdeburg, war sich sicher: Er wollte Lehrer werden. Er hatte ein Händchen im Umgang mit Menschen, gute Noten und liebte Sprachen. Auf seinen Plan, Gymnasiallehrer für Englisch und Deutsch zu werden, reagierten viele aus seinem Umfeld daher sehr positiv: Beamtenstatus und daher Sicherheit. Eine sinnvolle Tätigkeit, die immer gebraucht wird. Gutes Gehalt bei viel Freizeit. Die üblichen Klischees halt. Die ersten Irritationen stellten sich bei Christoph W. dann im Laufe der ersten Studiensemester ein. Fortgeschrittene Studierende berichteten über Druck und Angst vor der Situation nach dem Staatsexamen. War das Lehramt am Ende nicht die sichere Sache, die Christoph sich erhofft hatte?

Orientierungsberater Andreas Peez aus München stellt fest: „Bei den Schulabgängern gibt es eine Art Zweiteilung: Die einen haben die Nase von der Schule gestrichen voll und wollen nie wieder dorthin zurück. Diese Gruppe will natürlich keinesfalls den Lehrerberuf ergreifen. Die anderen – und diese Gruppe ist recht groß – denkt mehr oder weniger ernsthaft darüber nach, ein Lehramtsstudium aufzunehmen.“ Der Beruf des Lehrers ist derjenige, mit dem Schüler am besten vertraut sind, noch besser oft als mit den Tätigkeiten ihrer Eltern. Daher ist für viele Schulabsolventen der Lehrerberuf zunächst eine greifbare und daher nahe liegende Option.

In den Medien hört man mal von Lehrerschwemme, zurzeit eher von Lehrermangel, und dass es am Ende doch immer anders kommt, als es prognostiziert war. Orientierungsberater Andreas Peez ergänzt: „Der Arbeitsmarkt für Lehrer wird politisch gesteuert und ist je nach Bundesland und Schulart sehr unterschiedlich einzuschätzen. Hinzu kommt, dass gesellschaftliche Ereignisse wie z. B. verstärkte Migration oder aber Geburtenrückgang rasch deutliche Auswirkungen auf das Berufsfeld der Lehrenden haben.“

So werden es angehende Gymnasiallehrer nach neuesten Berechnungen der Kultusministerkonferenz weiterhin schwer beim Berufseinstieg haben, über Bundesländer und Fächerkombinationen hinweg. Diese Situation besteht seit längerem und wird dadurch aufrechterhalten, dass die Schulart Gymnasium bei vielen angehenden Lehrern nach wie vor der Favorit ist. Mittel- und Berufsschulen sind dagegen eher unbeliebt, daher der anhaltende Lehrermangel an diesen Schularten, wobei es an Berufsschulen wiederum fachspezifische Unterschiede gibt: Besonders technische Fächer brauchen dringend Verstärkung. Realschulen, zeitweise eher überversorgt, melden plötzlich eine große Nachfrage an Lehrpersonal. Und an Grundschulen soll der Bedarf zwar kurzfristig sehr hoch sein, bereits in wenigen Jahren soll es dort aber wieder einen hohen Überschuss geben – kritisch also bereits für alle diejenigen, die jetzt ein Lehramtsstudium Grundschule angehen. Doch wie es in einigen Jahren wirklich auf dem Arbeitsmarkt für Lehrer aussehen wird, weiß am Ende niemand – vieles kann passieren, um die aktuellen Berechnungen hinfällig werden zu lassen.

Christoph W. hat nach drei Semestern Lehramtsstudium aufgehört. Seine Fächerkombination und Schulart erschienen ihm doch etwas riskant, und plötzlich erschien ihm sein Studium nicht mehr sicher, sondern er sah sich in seinen Möglichkeiten zunehmend eingeschränkt. Im nächsten Herbst wagt Christoph einen Neustart und fängt mit Medienwissenschaften an.

bildungsdoc®-Empfehlungen:

Teile diesen Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare