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Sachsen mit Schüleraustausch hintendran - warum?

Sachsen liegt deutschlandweit im letzten Drittel bei der Internationalisierung seiner Schüler

Aktuell liegt Sachsen mit seinen Großstädten Dresden und Leipzig im letzten Drittel bei der Anzahl von Schülern, die ein Auslandsjahr absolviert haben. Hinzu kommt, dass Sachsen mit seiner Landeshauptstadt Dresden in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als sehr weltoffen rüberkommt. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, gerade jungen Menschen diese Weltoffenheit zu vermitteln und nahe zu bringen. Außerdem suchen sächsische Unternehmer händeringend junge Berufseinsteiger aus der Region mit Auslandserfahrungen und entsprechenden Sprachkenntnissen. Alles Gründe, um sich näher mit dem Thema „Schulbesuch im Ausland“, bekannt auch als Schüleraustausch oder High School Year, vertraut zu machen.

Wo liegen die Ursachen für die aktuelle Misere?

  • Eltern haben, aufgrund ihrer Geschichte (DDR), i.d.R. keine Auslandsaufenthalte während oder nach ihrer Schulzeit absolviert. Sie können also ihren Kindern darüber nichts berichten. Hinzu kommt, dass sie beruflich sehr eingespannt sind, sodass sie oft nicht den Nerv haben, sich mit diesem Thema detailliert zu beschäftigen.
  • Viele Eltern glauben, dass ein Schuljahr im Ausland nur etwas für Kinder von vermögenden Eltern ist. Viele Eltern/Schüler kennen die Kosten nicht und auch nicht die staatliche Förderung in Form von Schüler-AuslandsBAföG. Schulprogramme im Ausland und deren Förderung sind heutzutage derart gestaltet, dass (fast) jeder Schüler sein Auslandsschuljahr absolvieren kann – sofern er gut informiert und beraten ist.
  • Es gibt in Sachsen nur zwei größere Auslandsmesse im Jahr – in Dresden und Leipzig, die über Auslandsaufenthalte während und nach der Schulzeit informieren. In großen Teilen von Sachsen gibt es überhaupt keine Informationen.
  • In Sachsen muss mit viel Engagement erst einmal eine Kultur für derartige Auslandsaufenthalte für Schüler aufgebaut werden. Kein Kind geht ins Ausland, wenn die Eltern es nicht wollen. Heutzutage ist ein High School Year hierzulande noch etwas besonders. Es werden noch einige Jahre vergehen, bis es zur Normalität wird.

Wann können sächsische Schüler ein Auslandsschuljahr absolvieren?

Im sächsischen Bildungsgesetz ist geregelt, dass Schüler eines Gymnasiums sich nach der 9., 10. oder 11. Klasse für ein Schuljahr im Ausland beurlauben lassen können. Eine Anerkennung des Auslandsschuljahres (9-12 Monate) gibt es in Sachsen nicht. Beispiel: Ein Schüler legt nach der 10. Klasse ein Auslandsschuljahr ein. Im Ausland besucht er die 11. Klasse. Nach seiner Rückkehr an das deutsche Gymnasium beginnt er dann mit der 11. Klasse. Oberschüler dürfen grundsätzlich in Sachsen erst nach der 10. Klasse ein Auslandsschuljahr einlegen.

Das Sächsische Staatsministerium für Kultus empfiehlt, dass sich Schüler eines Gymnasiums und ihre Eltern frühzeitig vor dem Auslandsaufenthalt mit der jeweiligen Schulleitung in Verbindung setzen, um die verschiedenen Möglichkeiten und Voraussetzungen für ein Schuljahr im Ausland zu sprechen. Bei Oberschülern ist nach der 10. Klasse der Ausbildungsabschnitt „Schule“ beendet, sodass keine Freistellung vom regulären Schulbetrieb mehr beantragt werden muss.

Geht der Schüler nur für 3 Monate an eine High School, wird er nach seiner Rückkehr wieder in seine Klassenstufe eingegliedert. Dies ist evtl. auch bei 5-6 Monaten möglich, das entscheidet der Schulleiter. Bei einem ganzen Auslandsschuljahr gibt es keine Eingliederung mehr in die alte Klassenstufe und das Jahr wird auch nicht anerkannt. Das ist das Beste für den Schüler, denn er hat so die Möglichkeit, seinen Stundenplan an der High School selbst zusammenzustellen. In den USA zum Beispiel hat der Schüler drei Fächer, die er belegen muss: Mathematik, Geschichte, Englisch. Dazu kann er sich dann Fächer zubuchen, die ihn interessieren. Die Bandbreite bei den Fächern ist sehr groß – von Psychologie, Fotografie, Journalismus, BWL, Modedesign über Naturkatastrophen, Kochen, Backen, Tanzen uvm. Aus diesem Grund gehen alle Schüler im Ausland gern zur Schule – bemerkenswert! Außerdem gibt an den Schulen im Ausland oft eine andere Lernsystematik, sodass zum Beispiel nicht wenige Schüler(innen) zum ersten Mal die MINT-Fächer richtig verstehen.

Förderung durch Schüler-AuslandsBAföG (SAB)

Der privat organisierte Schulbesuch im Ausland wird vom Staat mit dem Schüler-AuslandsBAföG gefördert. Die Förderungshöhe wird bei jeden anspruchsberechtigten Schülern individuell berechnet. Es gibt keine Einkommensgrenzen für die Eltern. Das Einkommen der Eltern wird aber für die Berechnung berücksichtigt. Weiterhin gibt es eine Vielzahl von sozialen Aspekten, die in die Berechnung einfließen, u.a. weitere Kinder im Haushalt. Schüler können einen Zuschuss von maximal 504 € monatlich erhalten – für die Finanzierung der Lebenshaltungskosten. Dazu kommt ein pauschaler Reisekostenzuschuss von 500 € bei Aufenthalten innerhalb und 1.000 € außerhalb Europas. Die Förderungsdauer beginnt ab 6 Monate (ab 5 Monate, wenn das Schulhalbjahr im Ausland genau so lange dauert) bis max. ein Schuljahr. SAB wird als Zuschuss gezahlt, muss also nicht zurückgezahlt werden!

Schüler eines Gymnasiums können grundsätzlich gefördert werden, wenn sie anspruchsberechtigt sind. Oberschüler werden nur gefördert, wenn sie bei Beantragung nachweisen, dass sie verbindlich an einer deutschen Schule angemeldet sind, um das Abitur nachzuholen. Keine Förderung gibt es, wenn eine berufliche Ausbildung mit dabei ist.

Kindergeld wird auch während der Zeit als Austauschschüler gezahlt. Das Kindergeld ist i.d.R. das Taschengeld im Ausland.

Welche Gastfamilie erwartet den Schüler?

Gastfamilien sind oft Ehepaare mit Kindern, die vor Ort sorgfältig von Partnerorganisationen übergeprüft werden. Der Programmablauf wird erläutert und Referenzen über die Familie eingeholt. Auswahlkriterien sind Toleranz gegenüber fremden Bräuchen, Religionen und Kulturen, gesicherte finanzielle Verhältnisse und eine High School in der Nähe. Der Schüler wird sofort als neues Familienmitglied integriert und nimmt aktiv am Familienleben teil. Während der gesamten Programmdauer steht ein Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung. Kommt es zwischen Schüler und der Gastfamilie zu starken Differenzen, gibt es ein klärendes Gespräch mit dem örtlichen Betreuer der Austauschorganisation vor Ort. Ist die beste Lösung ein Wechsel der Gastfamilie, erfolgt mit Einverständnis aller Beteiligten ein Familienwechsel – alles sehr professionell geregelt.

Kosten beim Schüleraustausch

Die Kosten für ein komplettes Auslandsschuljahr (i.d.R. 10 Monate) variieren stark, ab 6.000 € ohne Taschengeld. Die Kosten sind u.a. abhängig vom Gastland, Schulgeld, dem Haushaltskostenzuschuss für die Gastfamilie, dem Versicherungspaket. Je nach Gastland benötigt der Schüler monatlich 150 bis 250 € Taschengeld für Schulbücher, Kleidung, Telefongespräche, Reisen, Mittagessen in der Schulcafeteria, Freizeitaktivitäten, eventuell anfallende Transferkosten zwischen der Gastfamilie und der Schule. Genaue Angaben über die zu erwartenden Kosten geben die Organisationen. Beliebtestes High School-Land ist die USA. Hier beginnen die Programmpreise ab 9.990 € – Komplettpreis, inkl. Flug und Versicherungspaket plus Taschengeld..

Mehrwert für Schüler

Für die Persönlichkeitsentwicklung des Schülers ist ein Auslandsschuljahr von unschätzbarem Wert. Der Schüler stellt sich Herausforderungen, an denen er wächst, entwickelt Ideen zur Planung seiner Karriere und macht Erfahrungen, die er zu Hause nie hätte machen können. Zurückkommen wird der Schüler mit Kompetenzen, die ihn langfristig weiterbringen: Offenheit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität und Initiativgeist.

Last but not least: Unternehmen lieben junge Berufseinsteiger mit Auslandserfahrungen und entsprechenden Sprachkenntnissen (Umgangssprache!).

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