Wenn du mehrere Einladungen hast, versuche das Bewerbungsgespräch zuerst mit den Unternehmen zu führen, an denen du etwas weniger interessiert bist. So kannst du die Gespräche im Falle eines Misserfolgs als Übung abbuchen und ruhiger in die folgenden für dich wichtigeren Gespräche gehen. Mach dir bewusst, dass Personalchefs dich einfach nur kennenlernen möchten. Sie wollen erfahren, warum du für sie arbeiten willst und welche Fähigkeiten du mitbringst. Ein gelungenes Vorstellungsgespräch ist kein Verhör, sondern ein Dialog. Dazu gehört auch, eigene Fragen zu stellen, um an wichtige Infos zu kommen. Bereite dich ausführlich auf das Gespräch vor. Sei vor allem authentisch. Versuche nicht, jemand anders zu sein.
Was sagt der 'Virtuelle Ruf' aus und wie wird er genutzt?
Mehr als ein Viertel der deutschen Arbeitgeber suchen bei der Auswahl ihrer Bewerber
gezielt nach Informationen über die Jobanwärter im Netz. Wenn du eine Einladung zum
Vorstellungsgespräch erhältst, musst du wissen, was über deine Stärken und Schwächen
im Internet veröffentlicht ist. Personalchefs stellen den Bewerber gerne Fragen zu diesen
Veröffentlichungen. Die Antworten zeigen, ob du eine gestandene Persönlichkeit bist und
dazu stehst.
Mit Hilfe von Suchmaschinen ist es heute für jedermann ein leichtes Spiel, private Dinge über die, für ihn interessante Person heimlich herauszufinden, das sogenannte 'Ausgoogeln'. Das Internet gibt bereitwillig Auskunft. In Sozialnetzwerken und auf Portalen, die darauf spezialisiert sind, Leute zu bestimmten Themengebieten zu finden, gibt der Surfer bereitwillig Informationen preis. Die gemachten Angaben landen in den Suchmaschinen. Gib also 'Vorname Name' bei Google ein und schau nach deinen 'Virtuellen Ruf'.
Vor dem Führen des Einstellungsgesprächs solltest auch du deinen möglichen zukünftigen Arbeitgeber aktuell ausgoogeln. Die Online Recherche lohnt sich immer. Wenn du viele Infos zum Unternehmen hast, gehst du viel entspannter ins Vorstellungsgespräch.
Auch wenn du keine Angst davor hast, dich einem neuen Arbeitgeber vorzustellen, wird trotzdem Adrenalin durch deinen Körper fließen - beim Gedanken an das bevorstehende Bewerbungsgespräch. Pünktlichkeit! Kommst du zu spät, hast du bereits verloren. Warte lieber 15 Minuten vor der Tür, als dass du schweißgebadet hineinstürmst. Die Bewertung einer Person durch eine andere erfolgt in den ersten 7 Sekunden, nachdem man sich gesehen hat. Das beginnt mit dem Öffnen der Tür [Nicht aufreißen!] und setzt sich fort mit einer aufrechten Körperhaltung und ruhigen festen Gang hin zu deinem Ansprechpartner. Dabei blickst du ihr/ihm in die Augen, gerade und freundlich.
Beim Zusammentreffen schaust du weiter in die Augen deines Gegenübers, begrüßt ihn mit einem festen Händedruck und der Nennung seines Namens: 'Guten Tag, Frau/Herr Müller' und stellst dich deutlich mit deinem Vor- und Nachnamen vor. Ein freundliches Lächeln beim ersten Händeschütteln bricht i.d.R. das Eis. Achte aber darauf, dass du nicht mit ausgestreckter Hand auf deinen Gesprächspartner zugehst. Zurückhaltung versteht sich hier als Wertschätzung. Warte auf seine Begrüßung!
Setze dich erst, wenn man es dir angeboten hat. Nicht zu lässig, aber auch nicht zu steif sitzen. Eine gerade, aber aufrechte entspannte Haltung wirkt seriös und selbstsicher. Achte auf ein Lächeln und den Blickkontakt zu allen anwesenden Personen! Nimm deine Unterlagen aus der Tasche und lege sie danach ab, aber nicht auf dem Tisch.
Der Händedruck ist eines der vielen kleinen Signale, die wir innerhalb der ersten Sekunden an einem anderen Menschen wahrnehmen. Der Händedruck eines anderen beeinflusst, wie wir über ihn denken. Das haben Wissenschaftler nun auch belegt. Außerdem wurde festgestellt, wie lange dieser Händedruck dauerte und ob die Bewerber den Personalchef dabei in die Augen schauten.
Wie sich zeigte, erhielten Bewerber mit festem, kraftvollem Händedruck, der ein paar Sekunden dauerte und mit lebhaftem Händeschütteln und Augenkontakt einherging, deutlich bessere Beurteilungen als Bewerber, die nur kurz und lasch die Hand reichten. Die Bewerber mit dem kernigen Händedruck waren sehr extrovertiert und hatten somit eine charakterliche Voraussetzung für beruflichen Erfolg.
Viele Frauen haben allerdings nur einen schwachen Händedruck oder geben zu kurz die Hand. Sie sind dadurch jedoch nicht benachteiligt, denn sie erhielten fast genauso gute Beurteilungen wie Männer mit kräftigem Händedruck. Ein Grund dafür war, dass sie ihre Schwäche mit mehr Augenkontakt und anderen positiven Körpersignalen kompensierten. Hinzu kam, dass die Personalchefs offenbar gar keinen kräftigen Händedruck von weiblichen Bewerbern erwarteten. Wenn ihnen trotzdem eine Frau in männlicher Manier die Hand reichte, waren sie umso mehr überrascht und angetan, was sich in besonders positiven Beurteilungen niederschlug. Diese Teilnehmerinnen wurden sogar noch besser beurteilt, als Männer mit einem kräftigen Händedruck.
Die Körpersprache entscheidet maßgeblich, ob dich ein Gesprächspartner sympathisch oder unsympathisch findet. Menschen unter Stress verhalten sich anders als üblich. Jede innere Bewegung, Gefühle, Emotionen, Wünsche drücken sich durch deinen Körper aus. Im Beruf wie im täglichen Leben kann eine positive Körpersprache dir viele Türen öffnen. Ein Großteil der Kommunikation wird über die Körpersprache vermittelt. Der erste Eindruck entsteht sogar durch 100% Körpersprache.
Die Körpersprache beginnt bei den Füßen und setzt sich fort bis zur Kopfhaltung. Wenn deine Fußspitzen geradeaus oder nach innen zeigen, wirkt das unsicher. Wenn du breitbeinig stehst, wirkt das standfest und realistisch. Mit geschlossenen Füssen machst du einen zurückhaltenden bis unterwürfigen Eindruck. Frauen stehen oft mit geknickter Hüfte da. Es wirkt beim Gegenüber so, als ob sie Nähe suchen. Wenn Männer so da stehen, macht das einen coolen und lässigen Eindruck. Die Ausstrahlung von Selbstbewusstsein geht überwiegend über den Oberkörper. Wenn du aufrecht stehst, also auch hängende Schultern vermeidest, nimmt man dich als aufrechte Persönlichkeit wahr.
Beim Sitzen hat sich die 'Neunzig-Grad-Winkel'-Sitzhaltung bewährt. Zwischen Ober- und Unterschenkel befindet sich ein ebenso rechter Winkel wie zwischen Oberschenkel und Oberkörper. In Deutschland sollte der Abstand beim Stehen zu deinem Gegenüber etwa eine Armlänge betragen. Zu viel Abstand zum Gegenüber könnte als Distanz suchend gedeutet werden. Teil der Körpersprache ist die Kleidung. Frauen sollten im Beruf nicht auf erotische Wirkung setzen. Für Männer nicht förderlich sind u.a. Krawatten mit Comicfiguren, ausgefallene Schuhe oder Hawaii-Hemden.
Sitzen mehrere Gesprächspartner an einem Tisch, so suchst du den Augenkontakt zu allen. Starre niemals auf Tisch oder Wand. Keinen guten Eindruck hinterlässt du, wenn du vor Nervosität mit deinem Stuhl kippelst oder mit deinen Fingern auf den Tisch trommelst. Drehst du dich von deinem Gegenüber weg, demonstrierst du Unsicherheit oder gar Angst. Wenn du nur deine Arme verschränkst, wirkst du nicht automatisch unfreundlich. Solltest du allerdings noch deinen Kopf etwas wegdrehen und deine Fingernägel betrachten, kannst du mit großer Sicherheit nach Hause gehen, ohne Erfolg!
Zu Beginn wird dich der Personalchef bitten, etwas über dich zu erzählen, z.B. über deine Stärken und Schwächen. Das kannst du in der Vorbereitung schon zu Hause gut üben. Spreche das, was du über dich zu sagen hast, aufs Band und höre dir selbst einmal zu. Du merkst sehr schnell, an welchen Stellen in deinem Lebenslauf du ins Stocken kommst bzw. unsicher wirst. Hier hilft nur üben, üben, üben!
Bist du gewappnet für Fragen dieser Art:
Sollte dir beim Antworten der Atem stocken, du sprachlos werden und feuchte Hände bekommen, hat das was mit deinem Selbstbewusstsein zu tun.
Es geht gar nicht darum, dass die Fragen ernsthaft ausdiskutiert werden sollen. Diese kreuzverhörähnlichen Situationen, Überraschungen und unerwarteten Fragen, bei denen du das Gefühl hast, in die Ecke gedrängt zu werden, sind nur darauf angelegt, zu erkennen, wie selbstbewusst du bist. Ein natürliches Selbstbewusstsein, nicht Arroganz, kannst du dir aber nicht in 1 bis 2 Wochen vor dem Vorstellungsgespräch allein aufbauen.
bildungsdoc-tipp. Wird die Gehaltsfrage bis zum Ende des Vorstellungsgesprächs von der Firmenseite nicht angesprochen, musst du selbst aktiv werden. Bedanke dich für das freundliche Gespräch und frage nach, wie die Stelle honoriert wird, z.B. so: 'Ich würde gern bei Ihnen anfangen, aber eine Frage ist für mich noch offen geblieben: Welches Gehalt haben Sie für diese Stelle vorgesehen?'
Hast du dein Einstellungsgespräch gut überstanden, dann schicke noch am gleichen Tag eine Danke-E-Mail. Damit demonstrierst du dem Personalchef: Ich bleibe dran! Wenn du dich für das offene und kollegiale Gespräch bedankst, ist das ein Zeichen der Wertschätzung. Es muss aber authentisch sein.
bildungsdoc-fazit. Ein Vorstellungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Du solltest also nicht nur Fragen beantworten, sondern auch Fragen stellen können. Damit zeigst du, dass du interessiert bist und du dir Gedanken über das Unternehmen gemacht hast. Erfolgreich bist du, wenn du ein gepflegtes Äußeres zeigst und du einen offenen und freundlichen Eindruck machst. Für Personalchefs ist der Gesamteindruck wichtig. Dabei spielt die Körpersprache natürlich eine Rolle. Einzelne Fehltritte werden dir, wie auch bei deinen mündlichen Aussagen, verziehen. Häufen sich jedoch die Fehler, wird es für dich eng als Bewerber.
War alle Mühe umsonst, verzweifle nicht. Absagen bekommt jeder und auch ein misslungenes Vorstellungsgespräch ist immer noch eine gute Übung. Nach einer Absage fragst du aber direkt beim Personalchef nach, was verbesserungswürdig ist bzw. warum du die Stelle nicht bekommen hast. Vielleicht wurdest du nicht eingestellt, weil ein Bewerber 'nur' mehr Berufserfahrung hatte als du. Dann musst du es auch nicht persönlich nehmen. Dieses Nachfragen bringt dir neue Erkenntnisse für das nächste Gespräch.
bildungsdoc-hinweis. Zum Glück gibt es immer wieder Kandidaten, die sich im Vorstellungsgespräch daneben benehmen. Dieses Fehlverhalten lässt dann natürlich deine eigenen Chancen wachsen. Es ist aber sehr gefährlich, wenn du dich darauf verlässt, dass es genügend dieser 'Orientierungslosen' gibt!