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Praktikum in Deutschland: Erfolgreiche Praktikumssuche

Was muss der Praktikumsvertrag beinhalten? Wie ist die Praktikumsvergütung geregelt?

Praktikum in Deutschland

Praktikum in Deutschland – warum so wichtig für den Berufseinstieg?

„Wir erwarten erste Berufserfahrung durch Praxissemester oder relevante Praktika“. So oder so ähnlich lesen sich oft die Anforderungsprofile in fast jeder Stellenanzeige für Berufseinsteiger. Wer ein Praktikum in Deutschland absolviert hat, kann i.d.R. auch beim Karrierestart punkten. Um einen Einblick in Unternehmensabläufe zu gewinnen, sollte das Praktikum zwei bis drei Monate dauern. Mit dem Praktikum kannst du frühzeitig feststellen, ob die Branche bzw. der Tätigkeitsbereich, den du dir für die Zukunft vorgestellt hast, auch im Joballtag interessant ist. Mache kein Praktikum, nur weil du das Unternehmen interessant findest. Der Nutzen muss eindeutig im Vordergrund stehen.

Es gibt drei Arten von Praktikum in Deutschland: Vorpraktikum, Pflichtpraktikum und freiwilliges Praktikum. Ein Pflichtpraktikum gilt rechtlich nicht als Arbeitsverhältnis, ein freiwilliges Praktikum schon. Im Pflichtpraktikum hat der Auszubildende kein Recht auf Urlaub und Entlohnung. Das heißt natürlich nicht, dass es kein Geld geben darf.

Welche Vorüberlegungen sind bei der Praktikumssuche wichtig?

  • Was möchtest du mit dem Praktikum erreichen? Willst du dich beruflich orientieren?
  • Willst du in der Praxis testen, welcher Studienschwerpunkt für dich in Frage kommt?
  • In welcher Branche möchtest du arbeiten und welche Tätigkeiten sagen dir zu?
  • Willst du das Praktikum im Inland oder im Ausland absolvieren?
  • Willst du einen bestimmten Arbeitgeber kennenlernen?
  • Hinweis: Kläre mit deiner gesetzlichen Krankenkasse während der Praktikumssuche, ob du Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen musst oder ob du weiter über deine Eltern versicherst bist.

Wie findest du bei der Praktikumssuche das für dich passende Praktikum?

  • Klasse statt Masse! Besser zwei Praktika, die zu deiner Studienrichtung passen, als fünf in unterschiedlichen Bereichen. Je weiter du dann im Studium voran schreitest, desto spezifischer sollte das Praktikum sein.
  • Wenn du unsicher bist, nach welchen fachlichen Kriterien du ein Praktikum aussuchen sollst, spreche mit einem Dozenten ausführlich darüber. Professoren kennen die verschiedenen Firmen meist auch sehr gut.
  • Praktikum im kleinen oder großen Unternehmen? Möchtest du in viele Arbeitsprozesse eingebunden sein, ist ein kleines Unternehmen richtig. In großen Unternehmen gibt es oft eine Spezialisierung auf einen Fachbereich.
  • Verschaffe dir einen Überblick über Praktikumsstellen. Viele Unternehmen bieten auf ihrer Website Praktika an. Suche gezielt, denn dann findest du einen Praktikantenjob, der genau deinen Vorstellungen entspricht. Denke bei der Praktikumssuche auch daran, dass ein Praktikum beim Wunscharbeitgeber Türen öffnen kann.
  • Du brauchst einen festen Ansprechpartner im Unternehmen, mit dem vorm Beginn deines Praktikums besprichst, in welchen Bereichen und an welchen Projekten du mitarbeiten sollst und wie die Praktikumsvergütung geregelt ist. Später beim Praktikum sollte dir dein Ansprechpartner regelmäßig Feedback zu deiner Arbeit geben.
  • Grundsätzlich sollte ein Praktikum in einem erkennbaren Bezug zum Studium oder zu vorhergegangenen Praktika stehen, um „einen roten Faden“ im Lebenslauf erkennen zu lassen.

bildungsdoc-tipp. Nutze bei deiner Praktikumssuche auch das Kontaktnetzwerk deiner Hochschule. Dozenten haben oft gute Kontakte zu Unternehmen der Branche. Auch "ältere Semester" sind eine gute Informationsquelle. Sie kennen oft Unternehmen, die bei Praktika besonders viele wertvolle Erfahrungen ermöglichen.

Was gehört in einem Praktikumsvertrag?

Einen Praktikumsvertrag solltest du auf jeden Fall abschließen, damit beide Seite wissen, was sie erwarten können. Im Praktikumsvertrag werden u.a. Aufgaben und Ziele des Praktikums, Arbeitszeit, Urlaubstage und die Frist für die Kündigung geregelt. Bei einem Pflichtpraktikum solltest du bei einer erfolgten Kündigung klären, ob du dir einen anderen Praktikumsplatz suchen musst. Beim freiwilligen Praktikum hast du drei Möglichkeiten der Kündigung:
  • Fristlose Kündigung
  • Mit Arbeitgeber Aufhebungsvertrag abschließen
  • Schriftliche Kündigung zu einem bestimmten Zeitpunkt einreichen
Inhalt Praktikumsvertrag:
  • Persönliche Angaben: Name, Geburtsdatum, Anschrift
  • Praktikumsdauer und tägliche Arbeitszeiten
  • Leistungen des Arbeitgebers: Unterweisungspflicht, Einhalten der Praktikumsverordnungen und Zeugniserteilung
  • Leistungen des Praktikanten: Aufgaben, Schweigepflicht, Sorgfaltspflicht, Weisungsgebundenheit und Berichtspflicht
  • Sonstiges: Vergütung, Urlaub, Kündigung und Vertragsauflösung
  • Ort, Datum, Unterschriften (Arbeitgeber, Praktikant)

Wie hoch ist die Praktikumsvergütung?

  • Infos Mindestlohn: Pflichtpraktika in Ausbildung oder Studium sind von der Mindestlohnregelung ausgenommen ebenso freiwillige Praktika von bis zu drei Monaten. Nach Abschluss der Ausbildung oder des Studiums gilt der Mindestlohn dann aber grundsätzlich auch für Praktikanten. Einzige Ausnahme: Die Praktikanten wollen in einem anderen als dem bis dahin erlernten Beruf ihre beruflichen Erfahrungen sammeln.
  • Für freiwillige Praktika gilt bei Praktikumsvergütung der Grundsatz: Je weiter die Ausbildung in den Hintergrund tritt und die Arbeit im Vordergrund steht (Scheinpraktikum), desto eher besteht ein Anspruch auf Praktikumsvergütung.
  • Als Praktikant immer(!) nach Praktikumsvergütung fragen, mindestens eine finanzielle Anerkennung aushandeln.
  • Bei einen gutem Praktikum stehen Leistung und Gegenleistung in einem guten Verhältnis. Für ein Praktikum sollte zumindest eine Aufwandsentschädigung Teil des Praktikumsvertrags sein. Das wären zwischen 300 und 400 €. Für den Arbeitgeber gibt es keine Verpflichtung, diesen Passus mit in den Praktikumsvertrag aufzunehmen.
  • Im Unternehmen richtet sich die Praktikumsvergütung nach dessen Größe, Praktikumsdauer, Qualifikationen und Vorkenntnissen des Bewerbers. Gering oder gar nicht bezahlte Praktika kannst du auch als Investition in die Zukunft sehen, die dir vielleicht anschließend die Tür zu deinem Traumunternehmen öffnen.
  • Erhältst du keine Praktikumsvergütung, musst du allerdings darauf achten, dass der Lerneffekt sehr hoch ist.
  • Bewirbst du dich in Medien, Kultur oder öffentlichen Einrichtungen solltest du wissen, dass diese Praktika sehr selten eine Praktikumsvergütung beinhalten.

Wie sollte Praktikumsarbeit und Praktikumszeugnis aussehen?

Erfolgreiche Praktikumssuche

Im Vordergrund der Praktikumsarbeit steht die Mitarbeit an konkreten Projekten, eigenverantwortliches Arbeiten und eine individuelle Betreuung. Der Arbeitgeber hat Weisungsrecht und kann dir Arbeiten übertragen, sofern sie zur Ausbildung gehören. Du lässt dich anleiten und arbeitest aktiv mit.

Als Praktikant hast du die gleichen Rechte und Pflichten wie Arbeitnehmer, u.a. pünktlich sein und keine Betriebsgeheimnisse ausplaudern. Zu Überstunden bist du nicht verpflichtet, kannst aber welche machen. Schließlich bist du jetzt Teamplayer. Lt. § 16 Berufsbildungsgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, dir ein Praktikumszeugnis auszustellen. Im Zeugnis sollten u.a. die Inhalte deiner Arbeit, Aufgaben, konkret erbrachte Leistungen, Entwicklung und Verhalten ausführlicher beschrieben und bewertet werden.

Wie wird dein Praktikum ein voller Erfolg?

  • Pünktlich sein, Respekt gegenüber Kollegen und Vorgesetzten zeigen, Aufgaben termingerecht erledigen
  • Keine Übermotivation! Auch wenn du einen guten Eindruck hinterlassen willst, übernimm nicht leichtfertig alle Aufgaben, die die Kollegen dir aufbürden wollen. Weniger ist mehr - und das aber in zufriedenstellender Qualität.
  • Sei offen und gehe auf deine neuen Kollegen zu. Sei nicht zu aufdringlich, scheue dich aber auch nicht, das Gespräch zu suchen. Schüchternheit ist im Praktikum nicht erwünscht und bringt dich nicht weiter.
  • Nutze das Mittagessen oder Pausen, um dein berufliches Netzwerk auszubauen. Lerne Vorgesetzte, Kollegen und Geschäftspartner so besser kennen. Viele Kontakte können dir im späteren Berufsleben nützlich sein.
  • Zeige wozu du in der Lage bist und wie viel du leisten kannst. Demonstriere auch, dass du in der Lage bist, dein Zeitpensum richtig einzuteilen und Prioritäten zu setzen. Ein ehrliches und konsequentes „NEIN“ ist deshalb besser als am Ende ins Schwimmen zu kommen und Aufgaben nicht gewissenhaft erledigen zu können.
  • Deine Kollegen wollen wissen, was du kannst. Versuche konstruktiv und differenziert zu argumentieren.

Ist eine Praktikumssuche nach dem Studium sinnvoll?

Kommt nach dem Studium eine kleine Durststrecke, gibt es gute Alternativen, um diese überbrücken, u.a. durch Traineeships, Volontariate, Referendariate oder Hospitanzen. Sie bereiten meist auf eine konkrete Position vor. Auch Honorartätigkeit und Zeitarbeit können dir den Sprung in die reale Berufswelt ermöglichen. Es gibt Absolventen, die Praktika auch nach dem Studium absolvieren, um Erfahrungen zu sammeln oder die Zeit bis zum ersten festen Job zu überbrücken. Vielen Absolventen gelingt der Einstieg in den Arbeitsmarkt, z.B. denen der MINT-Studiengänge. Bei Absolventen der Sprach-, Kultur-, Sozial- und Politikwissenschaften werden nach dem Studium oft noch Praktika absolviert, da der Arbeitsmarkt i.V. zu den Absolventenzahlen relativ klein ist. Während der Praktikumsphase solltest du ausloten, wie die Chancen auf eine Übernahme stehen. Wenn du in einem Praktikum nach dem Studium monatelang beschäftigst wirst, ohne dass Gespräche über deine Zukunft geführt werden, ist das reine Ausbeutung.

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