„Wir erwarten erste Berufserfahrung durch Praxissemester oder relevante Praktika“ – so oder ähnlich lesen sich die Anforderungsprofile in fast jeder Stellenanzeige für Berufseinsteiger. Bei der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen haben ehemalige Praktikanten deutlich bessere Chancen bei der Auswahl von Kandidaten für feste Stellen. Von einem Hochschulabsolventen wird heutzutage ganz einfach erwartet, dass er Praktika vorweisen kann.
Im Praktikum geht es darum, eine Firma von innen kennenzulernen. Du sollst ein Gefühl entwickeln, worauf es hier ankommt und wie die Branche tickt. Oftmals gibt es verzerrte Vorstellungen von den tatsächlichen Aufgaben. Je früher die beruflichen Vorstellungen einen Realitäts-Check unterzogen werden, desto besser. Optimal ist es für dich, wenn das Praktikum zu deinem Berufswunsch passt. Dann hast du vielleicht schon nach dem ersten Praktikum gute Chancen auf eine Festanstellung.
Durch längere Praxisphasen während eines Urlaubssemesters kannst du herausfinden, ob dein berufliches Ziel wirklich zu dir passt. Aber auch die Semesterferien sind dafür gut geeignet. Praktika verhindern u.a. auch, dass du später mit naiven Vorstellungen in die Bewerbungsgespräche gehst.
Zunächst solltest du dir einen Überblick über Praktikumstellen verschaffen. Viele Unternehmen bieten auf ihrer Website Infos zu Praktika an. Außerdem gibt es Praktikumsbörsen im Internet, die eine Vielzahl von Praktikumsstellen auflisten. Wenn du gezielt suchst, wirst du eine Praktikumsstelle in einem Unternehmen finden, die genau deinen Vorstellungen entspricht. Wenn du dich im Vorfeld gut über das Unternehmen und das Praktikum informierst, hast du sicher einen Vorteil.
Wichtig ist für dich ein fester Ansprechpartner im Unternehmen. Mit ihm besprichst du schon vor Praktikumsbeginn, in welchen Bereichen und an welchen Projekten du mitarbeiten sollst und wie die Praktikumsvergütung geregelt ist.
Grundsätzlich sollte ein Praktikum in einem erkennbaren Bezug zum Studium oder zu vorhergegangenen Praktika stehen, um „einen roten Faden“ im Lebenslauf erkennen zu lassen. Hast du mehr als drei Praktika im Lebenslauf aufgeführt, trifft dich der Vorwurf, dich nicht entscheiden zu können.
bildungsdoc-tipp. Nutze auch das Kontaktnetzwerk an deiner Hochschule. Dozenten haben meist gute Kontakte zu den Unternehmen der Branche. Frage einfach mal bei ihnen nach. Auch die älteren Semester stellen oft eine gute Informationsquelle dar. Sie kennen bestimmt Unternehmen, die besonders viele wertvolle Erfahrungen ermöglichen.
Im Vordergrund sollte die Mitarbeit an konkreten Projekten, eigenverantwortliches Arbeiten und eine individuelle Betreuung stehen. Um einen guten Einblick in Unternehmensabläufe zu gewinnen, sollte die Dauer des Praktikums mindestens zwei bis drei Monate betragen. Danach wirst du feststellen, dass diese Zeit eigentlich viel zu gering ist. Aber du hast zumindest erste Praxiserfahrungen gesammelt.
Als Praktikant hast du dieselben Rechte wie ein Arbeitnehmer, d.h. aber auch, dass du pünktlich sein musst. Außerdem darfst du keine Betriebsgeheimnisse ausplaudern. Zu Überstunden bist du nicht verpflichtet, aber du kannst natürlich welche machen. Schließlich bist du jetzt Teamplayer und solltest dein Team nicht hängenlassen.
Ein gutes Praktikum zeichnet sich dadurch aus, dass Leistung und Gegenleistung in einem guten Verhältnis stehen. Eine Praktikumsvergütung sollte es auf jedem Fall geben, denn selbst Azubis bekommen Geld, obwohl sie weitaus weniger Erfahrung vorweisen können. Für ein Praktikum während des Studiums sind 400 € in Ordnung. Soweit die Theorie.
In einem Unternehmen richtet sich die zu erwartende Praktikumsvergütung nach dessen Größe, Dauer des Praktikums sowie Qualifikationen und Vorkenntnissen des Bewerbers. Gering oder gar nicht bezahlte Praktika kannst du auch als Investition in die Zukunft sehen, die dir vielleicht anschließend die Tür zu deinem Traumunternehmen öffnen.
Erhältst du keine Praktikumsvergütung musst du allerdings darauf achten, dass der Lerneffekt sehr hoch ist. Bewirbst du dich in Medien, Kultur oder öffentlichen Einrichtungen solltest du wissen, dass diese Praktika sehr selten eine Praktikumsvergütung beinhalten.
Wichtig ist auch, dass du dir ein aussagekräftiges Zeugnis ausstellen lässt. Darin finden sich u.a. die Inhalte deiner Arbeit sowie konkret erbrachte Leistungen wieder. Nach dem Praktikum werden die neuen Kontakte Mitglieder in deinem Netzwerk ein. Ein gut funktionierendes Netzwerk bringt dir in deiner späteren beruflichen Entwicklung einige Vorteile.
Wie viele Praktika Sinn machen, hängt natürlich auch davon, welche Pläne du für die Zukunft hast. In jedem Fall kann ein Praktikum beim Wunscharbeitgeber Türen öffnen. Das gilt besonders in wirtschaftlich turbulenten Zeiten.
bildungsdoc-tipp. Als Student solltest du in zwei - maximal drei - Unternehmen ein Praktikum absolvieren, um unterschiedliche Praxiserfahrungen zu erwerben. So kannst du frühzeitig feststellen, ob die Branche bzw. der Tätigkeitsbereich, den du dir für deine Zukunft vorgestellt hast, auch im Joballtag interessant ist. Mache aber kein Praktikum nur, weil du das Unternehmen interessant findest. Der eigene Nutzen muss eindeutig im Vordergrund stehen.
Absolventen, denen der direkte Berufseinstieg nicht gelingt, sollten maximal ein Praktikum nach dem Studium durchführen. Während der Praktikumsphase solltest du schon ausloten, wie die Chancen auf eine Übernahme stehen. Wenn du in einem Praktikum nach dem Studium monatelang beschäftigst wirst, ohne dass Gespräche über deine Zukunft geführt werden, ist das reine Ausbeutung.
Gute Alternativen für Berufseinsteiger bieten je nach Fachrichtung Traineeships, Volontariate oder Hospitanzen. Meist bereiten diese Modelle auf eine konkrete Position vor und werden nach einem Ausbildungsplan organisiert. Auch Zeitarbeit kann dir den Sprung in die reale Berufswelt ermöglichen.
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